Zur Geschichte des Gästehauses 7:
Das »Haus Lösing«

von Ernst Leopold Schmid, ehem. Direktor der Landesmusikademie NRW

1198 errichtete Fürstbischof Hermann II, Graf von Katzenellenbogen die Landesburg Nienborg als Landesfestung. Bis ins 19. Jh. bildeten die auf der Burg wohnenden Adeslfamilien eine feste Burgmannschaft. Mit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 wurden die geistlichen Fürstentümer aufgehoben. Damit begann die Auflösung der Korporation (1811/12). In ihrer Folge wurden die Burgmannshäuser veräußert. So schloss Maximilian Friederich Graf von Korff, genannt Schmising, mit dem Tuchmacher Bernhard Theodor Lösing aus Nienborg am 25. Februar 1820 vor dem Notar in Münster einen Vertrag über die Erbpacht des Burgmannshofes »Schmising«. Darin heißt es unter anderem: »Der Herr Bernhard Theodor Lösing übernimmt den Burgmanns Hof, belegen in Nienborg zwischen den Behausungen des Freyherrn von Dellwig [Langes Haus, d. Verf.] und Tuchmachers Blömer mit dem dahinter gelegenen Gehöfe vom  Herrn Grafen von Korff genannt Schmising ... auf drei Generationen in Erbpacht.«

Heute stehen von der historischen Burganalage nur mehr das im Kern aus dem 14. Jahrhundert stammende Torhaus, volkstümlich »Windpoate« genannt, sowie die drei Burgmannhäuser mit ihren heutigen Bezeichnungen »Hohes Haus« (1345), »Keppelborg« (15. Jh.) und »Langes Haus« (1554). Auch der Burgmannshof »Schmising« ist nicht mehr erhalten. An seiner Stelle errichtete die Familie Lösing, in deren Besitz das Anwesen ca. 1850 übergegangen war, 1926 das bis heute bestehende Wohngebäude mit Tenne und Stallungen. Im Jahr 2000 konnte der Trägerverein Landesmusikakademie NRW e.V. mit großzügiger Förderung des Landes NRW das Anwesen erwerben und zu einem Gästehaus umbauen. Im April 2003 wurde es in Betrieb genommen. Beim Umbau blieben die Grundrisse der Außenmauern und damit auch das Erscheinungsbild des Anwesens weitgehend erhalten. Die Fassade des  Wohngebäudes wurde in seiner ursprünglichen Form wiederhergestellt. Auch die ehemalige Tenne hinter dem Wohnhaus beherbergt heute Gästezimmer und die ehemaligen Stallungen mit ihren beiden Spitzgiebeln wurden zu einer Studiowohnung für Dozenten umgestaltet.

Die Ofenplatte
Im Eingangsbereich des Wohnhauses hängt heute eine Ofenplatte, die die Familie Lösing in ihr »Herdfeuer« integriert hatte. Sie könnte noch aus dem alten Burgmannshof »Schmising« stammen. Nach den Stilelementen ist sie dem 16. Jahrhundert zuzuordnen und gehörte als rechte Ofenplatte zu einem »Bilegger«, einem Ofen der vom Flur aus beheizt wurde. Dargestellt ist das Motiv »Abschied des verlorenen Sohnes« nach Lucas, Vers 11 und 12. Der obere Text lautet demnach: »Ein Mann hatte zween Söhne und der jüngste unter ihnen sprach zum Vatter«. In der linken Arkade ist dargestellt, wie der Vater dem Sohn das Erbe auszahlt. In der rechten Arkade steht der Sohn reisefertig und nimmt Geld vom Tisch. Die Platte wurde auf Grund des deutschen Textes wohl in einer nordhessischen Hütte gefertigt (nach dem Gutachten von Wilhem Elling, Vreden).