»Pollicino«

Märchen für Musik von Hans Werner Henze

Ein Projekt der Landesmusikakademie NRW in Zusammenarbeit mit der Choralsingschule Gütersloh,
der Westfälischen Schule für Musik Münster, der Musikschule für den Kreis Gütersloh,
dem Berufskolleg für Technik Ahaus und der Stadt Gütersloh

Ausführende
Pollicino: Simon Mayer und Maximilian Fissenewert · Clotilde: Michelle Stolte und Anna-Laura Henning
Eltern und Menschenfresser: Bettina Pieck und Ina Siekemeyer · Christopher Jung
Musikalische Leitung: Prof. Joachim Harder · Regie: Michael Hoffmann · Ausstattung: Piotr Sonnewend
Kostüme: Erika Wawerka · Maske: Claudia Ghezzi in Marihart · Beleuchtung: Johannes Sundrup
Gesamtleitung: Ernst Leopold Schmid, Landesmusikakademie NRW

Konzeption und Durchführung
Musiktheater ist ein ideales Medium, um Kinder und Jugendliche für das Singen, Musizieren und szenische Spiel zu gewinnen. Musiktheater ist aber an Schule und Musikschule einseitig vor allem als Musical mit seinen gefälligen Stoffen und seiner konfektionierten Musiksprache präsent. Der Altersdurchschnitt des klassischen Konzert- und Opernpublikums nimmt rapide zu, junge Menschen sind dort immer seltener anzutreffen. Kinder und Jugendliche müssen deshalb wieder für unsere große musikalische Tradition der Oper, um die uns viele andere Kulturen beneiden, gewonnen werden. Diese Gedanken leiteten die Landesmusikakademie NRW 1991, als sie erstmals ein Opernprojekt mit der Oper »Krabat« von Cesar Bresgen realisierte und damit durch NRW tourte. Berufsbegleitende Fortbildungen für Musikpädagogen an Schule und Musikschule zum Thema »Musiktheater mit Kindern und Jugendlichen« schlossen sich 1995 und 2002 an. 1992 vergab die Landesmusikakademie NRW einen Kompositionsauftrag an den Komponisten Claus Kühnl, dessen Oper »Die Geschichte von der Schüssel und vom Löffel« nach einem Stoff von Michael Ende schließlich 1998 am Stadttheater Bielefeld produziert wurde und mit großem Erfolg Premiere hatte.

In der Diskussion um die Frage, welche Merkmale moderne Oper für die Jugend aufweisen sollte, kommt man an Hans Werner Henzes »Pollicino« nicht vorbei, der mit diesem Werk für die Cantiere internazionale d’arte di Montepulciano 1980 inhaltlich, musikalisch und in der Besetzung ein Modell geschaffen hat, das bis heute nachwirkt. Die Landesmusikakademie NRW fasste deshalb gemeinsam mit der Choralsingschule Gütersloh den Plan, diese Oper mit Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen, Profis und Amateuren neu zu inszenieren und so einen Anstoß dafür zu geben, sich mit moderner Oper für Kinder auseinander zu setzen.Nach einjähriger Vorbereitung bestand die Opernproduktion mit einer Vorpremiere in der Landesmusikakademie ihre Feuertaufe. Anschließend wanderte die Produktion nach Gütersloh, wo die Premiere am 07.05.2005 und weitere vier Aufführungen mit großem Erfolg gegeben wurden. Nach einer zweiten Vorstellung in Heek fand das Projekt am 12.06.2005 mit einer viel umjubelten Aufführung im Großen Haus der Städtischen Bühnen Münster seinen Abschluss.

Pressestimmen zu »Pollicino«
»Was ist eigentlich Musik für Kinder? Kleine Musik? Künstlerisch geringfügiger? Nein. Denn das Einfache ist hier für den Komponisten das Schwierige. Hans Werner Henze hat sich 1979 von Kindern aus Montepulciano zum Wagnis Jugend-Oper überreden lassen, zu einem Stück melodischer Unmittelbarkeit und sanfter Dissonanzen: Pollicino. Am Samstag wurde das Werk in der Landesmusikakademie Heek-Nienborg aufgeführt. … Ovationen für eine eminente künstlerische Arbeit.«
( Münstersche Zeitung, 04.04.2005 )

»Gesang und Spiel perfekt kombiniert.« ( Westfälische Nachrichten, 05.04.2005 )

»Applaus für eine Produktion der Landesmusikakademie. … Ein begeistertes Publikum honorierte eine ringsum gelungene Aufführung mit jubelndem Beifall und stehenden Ovationen.« ( Die Glocke, 09.04.2005 )

»Ein Däumling – ganz groß … Die nordrhein-westfälische Gemeinschaftsproduktion mit ihrer starken Verortung in Gütersloh, der Geburtsstadt des Komponisten, dürfte dabei Zeichen gesetzt haben. Auch im Vergleich zur Aufführung mit Kindern und Instrumentalisten aus Berlin, die später als CD-Produktion für Furore sorgte, stehen die einheimischen Kräfte nicht zurück. Im Gegenteil. … Hinreißend die Darsteller. … Begeisternder kann modernes Musiktheater nicht sein. Den Stern der Woche dafür.« ( Neue Westfälische, 09./10.04.2005 )

»Ohne jede Angst agierten … die jungen Akteure der Choralsingschule Gütersloh auf der Bühne. Und das von Dirigent Joachim Harder präzise geordnete Ensemble aus Laien- und Profidarstellern wirkte in Musik und Schauspiel extrem sicher. Allen voran Simon Mayer als Pollicino, dem auch die komplizierten atonalen Notenfolgen in Henzes Musik keine Intonationsschwierigkeiten bereiteten. … So erfolgte das Happy End als folgerichtige Schlusspointe und setzte hinter das fulminante Gemeinschaftsprojekt ein endgültiges Ausrufezeichen.« ( Münstersche Zeitung, 14.06.2005 )