»Tolle Talentschmiede: Fulminantes Konzert der Jungen Bläser-Philharmonie läutet Jahreswechsel ein«
Münsterland-Zeitung Ahaus, 03.01.2012
HEEK. Seit Jahren gehört der Jahreswechsel der Jungen Bläser-Philharmonie NRW, denn dann stellen Nachwuchskönner im Konzertsaal der Landesmusikakademie NRW das vor, was sie in den vier Tagen zuvor dort gemeinsam erarbeitet haben. Es ist ein fertiges Konzert, das die knapp 60 Musiker im Alter von 14 bis 24 Jahren dem Publikum im vollbesetzten Saal präsentieren.
Vor allem aber ist es dieses Mal kein leichter Stoff, den sich das Ensemble virtuos und klangvoll erarbeitet haben: Die »Festive Overture« von Dmitri Schostakowitsch am Anfang des Konzerts ist der klangvolle Einstieg in ein Programm voller positiver Überraschungen. Heller Trompentenklang wird beantwortet von den tieferen Posaunen, die wiederum von anderen Bläsergattungen abgelöst wird. Am Ende treffen sich alle Holz- und Blechbläser in einem furiosen Schlussbild. Präzise und fordernd leitet der neue Dirigent Walter Ratzek die jungen Musiker durch das Konzert, das noch mehr Überraschungen bereit hält. Philip Sparkes dritter Satz aus der Symphonie No. 2 »A city born and reborn« beginnt dagegen beinahe beruhigend, bis ein Trommler und die Piccolo-Flöte aus dem Nebenraum zu marschähnlichen Rhythmen überleiten.
Stimmungswechsel
Von Jules Strens interpretiert das Orchester »Danse funambulesque«, ein Stück mit vielen Brüchen und Stimmungswechseln. Erzählende Instrumentenstimmen lösen sich im ersten Teil permanent ab und führen immer wieder zum Hauptmotiv zurück, während in der zweiten Hälfte des Tanzes stakkatohaft intonierte Akkorde eine bedrohliche Stimmung suggerieren.
Die Komposition »Nocturne« von Alexander Skrjabin und »Cartoon« von Paul Hart beruhigen die Gemüter wieder. Gerade in letzterem beweisen die Musiker unter Ratzeks Führung das Talent für eine große Big Band mit swingendem Sound, der immer wieder aufleuchtet.
Das letzte Stück im Konzert stammt von Artie Shaw. Das »Concerto for Clarinet and Orchestra« rückt den Klarinettisten Koen Kuijpers als Solisten in den Vordergrund, der instrumental durch seine Scherze den Dirigenten, das Orchester und vor allem das Publikum zum Schmunzeln bringt. Die Musik leidet darunter keineswegs.
»Irrsinnig schwierig«
»Das Stück ist irrsinnig schwierig. Ich möchte es nicht spielen«, kündigt Ratzek den Solisten an, der aus dem Orchester stammt. Mittendrin lässt sich Kuijpers von Ratzek die Stirn abtupfen und spielt in bester Benny-Goodman-Manier mit einem Schuss Klezmer-Musik weiter. Donnernder Applaus des total begeisterten Publikums lässt Ratzek, Kuijpers und das Orchester strahlen. Sie bedanken sich mit Zugaben von Johann Strauß Vater und Sohn.
Elvira Meisel-Kemper
Am Samstag, 7. Januar, 19.30 Uhr, tritt die Junge Bläser-Philharmonie NRW mit diesem Programm als Neujahrskonzert in der Stadthalle in Rheine auf.