»Akzente in der Akademie: Antje Valentin feilt am Programm und fordert Erweiterung der Einrichtung«
Münsterland-Zeitung Ahaus, 13.10.2011
HEEK. Sie kämpft für einen Erweiterungsbau und mehr Personal, rückt die Weltmusik in den Fokus, will für die Jüngsten eine Schnupperakademie öffnen, baut die musikalische Qualifizierung für Erzieher und Lehrer aus, setzt mehr auf Rock und Pop und knüpft beständig an lokalen und überregionalen Netzwerken: Dafür, dass sie erst seit 100 Tagen auf dem Direktorensessel der Landesmusikakademie (LMA) sitzt, hat Antje Valentin schon viel in Bewegung gesetzt.
Aus 50 Bewerbern mit internationalem Ruf hatte sich die gebürtige Braunschweigerin, die zuletzt in Berlin lebte und arbeitete, bei der Suche nach einer Nachfolge für den LMA-Gründungsdirektor Leopold Schmid durchgesetzt. Aus dem Kulturbetrieb in der pulsierenden Hauptstadt aufs Dorf nach Nienborg: »Das war schon ein großer Wechsel«, räumt sie ein. Aber er habe sie noch keinen Tag gereut. »Ich liebe die ländliche Ruhe hier, das ruhige Arbeiten und die Fokussierung auf das Wesentliche«, sagt sie. Und das sei nun einmal die Musik.
Lehrer schulen
Zum Beispiel die Musik in Schulen und Kindergärten. Als sie vor vier Jahren von dem Projekt »Jedem Kind ein Instrument« (JeKi) in NRW erfuhr, sei sie sofort aufmerksam geworden. »Das sei wollte ich auch nach Berlin holen«, erzählt sie. Während die Hauptstadt heute noch darauf wartet, musizieren die Mädchen und Jungen in den Schulen des Ruhrgebiets und in einzelnen Kommunen darüber hinaus – und bei Antje Valentin laufen die Fäden für die musikpädagogische Weiterbildung der Lehrer zusammen – und zunehmend auch der Mitarbeiter der Kindertagesstätten.
Mit Unterstützung der Bertelsmannstiftung wird es im April in Nienborg eine Fachtagung geben zu der Frage, wie sich die musikalische Bildung landesweit verlässlich in den Kita-Alltag integrieren lässt. Bei dem Blick auf die Kinder in ganz NRW übersieht Antje Valentin nicht den Nachwuchs vor der Haustür. Für ihm wolle sich die LMA stärker öffnen: Schulklassen sollten das Tonstudio kennenlernen oder auch mal den Proben in einem Meisterkursus lauschen. Nicht nur zu den Schulen und Kindergärten vor Ort, sondern auch zum Rock- und Popmuseum in Gronau will sie Brücken schlagen. Denn Rock und Pop würden neben Weltmusik neue Schwerpunkte im Programm bilden.
Mit den Ideen und Projekten wächst der Raumbedarf. »Wir brauchen mindestens einen weiteren Saal«, sagt die Direktorin. Dieses Anliegen hat sie bereits in Düsseldorf vorgetragen.
Neuer Auftritt im Internet
Schon jetzt umgebaut und erweitert präsentiert sich die Web-Seite der Akademie, die inzwischen auch via Facebook mit vor allem jungen Musikern kommuniziert.
So viel in den ersten 100 Tagen der neuen Amtszeit anstoßen konnte Antje Valentin, die im Dezember nach Schöppingen zieht, nur durch die Unterstützung ihrer Mitarbeiter, wie sie betont. Nicht minder groß fällt ihr Lob für den Fördergesellschaft der Akademie aus: »Ich habe schon viele solcher Vereine kennengelernt«, sagt sie, »so einen großen Einsatz habe ich aber noch nie erlebt.«
Sylvia Lüttich-Gür