»Tribut an einen ganz Großen: Europäische Jazzakademie - Mitreißendes Dozentenkonzert für Peter Herbolzheimer«
Münsterland-Zeitung, 18.05.2010
HEEK Mitten aus vielen Plänen für die Zukunft riss im März der Tod den bekannten Jazzmusiker Peter Herbolzheimer, seit 1987 Leiter des Bundesjazzorchesters und »Stammgast« in der Landesmusikakademie. Es lag nahe, das Dozentenkonzert der Europäischen Jazzakademie ihm zu widmen.
Die künstlerische Leitung hat sein Weggefährte und Posaunist Jiggs Wigham übernommen. Alle 17 Dozenten waren versammelt, um Herbolzheimer zu Ehren ein wahrhaft glanzvolles Jazzkonzert zu gestalten. Begeisterung und atemlose Spannung machten sich im steten Wechsel breit, denn Jazz ist nicht nur klangvoll laut, sondern kann auch leise Töne anschlagen, die zur Wehmut der Erinnerung an einen der Großen der Jazzszene passten.
Fast alle Musiker formierten sich zu einer Big Band am Anfang und am Ende des Konzerts. Der Klangteppich ihrer virtuosen Möglichkeiten wurde in vollster Blüte ausgerollt. »The Healer« ist ein Stück von Wilton Gaynair, das Herbolzheimer neu arrangiert hat. Einfühlsam setzte sich John Ruocco mit seinem Saxophon durch, während Ack van Rooyen (Trompete) an anderer Stelle seinen Solopart voll ausspielte.
Beruhigend leise interpretierten drei andere Musiker die Komposition »Leaving« von Richie Beirach. Nach weich swingendem Blues endete das Stück mit wunderbar sphärischen Klängen, die Bruno Castellucci (Drums), Jeanfrançois Prins (Gitarre) und Thomas Stabenow (Kontrabass) in den Raum entließen. Drei Gesangssolisten gehören zur Garde der Dozenten, die in diesem Jahr die Jazzakademie bereichern: Judy Niemack war seit 16 Jahren über das Bundesjazzorchester mit Herbolzheimer befreundet. Silvia Droste moderierte mit ihm zusammen in den 80er Jahren den ZDF-Jazzclub. »Never Let Me Go« widmete Droste ihrem verstorbenen Freund, wundervoll begleitet durch Dr. Tom van der Geld (Vibraphon).
Von Sonny Rollins stammt die Komposition »St. Thomas«. Nur wie José Cortijo mit Percussion als Solist das Stück begann, ließ das Publikum buchstäblich die Luft anhalten. Erst sehr viel später mischten sich Ack van Rooyen (Trompete), Frank Haunschild (Gitarre) und Jiggs Whigham (Posaune) ein.
Humor spielt auch bei Whigham eine große Rolle, als er zum Schluss die Herbolzheimer-Komposition lautmalerisch verfremdet ankündigte: »Mit Blues In My Shoes sagen wir Tschoes.« Rauschender Beifall brandete auf.
Von Elvira Meisel-Kemper