»Er war der Herr seiner eigenen Töne:
Jazz-Musiker Peter Herbolzheimer ist tot«
Münstersche Zeitung, Kultur 30.03.2010
BONN/KÖLN Mit 74 Jahren ist der Jazz-Musiker und Komponist Peter Herbolzheimer am Samstag in einem Kölner Krankenhaus gestorben. Der Deutsche Musikrat, dessen Ehrenmitglied Herbolzheimer war, würdigte ihn als einen der ganz Großen des internationalen Musiklebens, „der die europäische Jazzgeschichte geprägt und beeinflusst hat“.
Einem Millionenpublikum wurde der Posaunist durch teils legendäre Auftritte in „Bios Bahnhof“ und dem „ZDF Jazzclub“ bekannt. Bis vor drei Jahren stand er 20 Jahre lang dem Bundesjugend-Jazzorchester vor, wo er zahlreiche Nachwuchstalente förderte. Ein gern gesehener Gast war Herbolzheimer im Münsterland: Regelmäßig arbeitete er als Dozent an der Landesmusikakademie in Heek, auch in diesem Jahr hätte er dort im Mai die „Europäische Jazzakademie“ leiten sollen.
Herbolzheimer wurde am 31. Dezember 1935 in Bukarest geboren. Mit 16 Jahren kam er nach Deutschland, lernte Gitarre spielen und ging zwei Jahre später in die USA. „Im Deutschland der 50er Jahre habe ich mich nicht wohl gefühlt. Alles war grau in grau“, sagte er im Dezember 2004, kurz vor seinem 70. Geburtstag. In Detroit machte Herbolzheimer Abitur, spielte nebenher in Jazzclubs und durchlief eine Ausbildung als technischer Zeichner.
Nach vier Jahren kehrte er zurück nach Deutschland, begann 1958 ein Musikstudium in Nürnberg, wechselte von der Gitarre zur Posaune. „Ich hatte einen elektrischen Verstärker, der gekratzt und gescheppert hat. Es war lästig, dass man seinen eigenen Ton nicht formen konnte“, erzählte Herbolzheimer. „Deshalb habe ich die Posaune gewählt, um Herr meiner eigenen Töne zu sein.“ Zehn Jahre später gründete er die „Rhythm Combination & Brass“, die in kurzer Zeit zu den besten Bigbands Europas aufstieg. Jazz-Größen wie Dizzy Gillespie, Stan Getz, Gerry Mulligan und Albert Mangelsdorff waren Gäste der Band.
Besonders wichtig war dem Musiker das Bundesjugendjazz-Orchester. Er habe das damals übernommen, weil es zu seine Zeit an der Musikhochschule keine Jazzausbildung gegeben habe, erzählte Herbolzheimer. Unter seinem Einfluss wurde das Orchester zur Talentschmiede. Und nicht ohne Stolz sagte der Künstler vor ein paar Jahren: „Jeder Mensch, der heute in Deutschland Jazz macht, kommt aus diesem Orchester.“