Konzert zum Auftakt des Seminars »Musik aktiv«

Münsterland-Zeitung, 23.03.2010

HEEK Wohl dem, der am Sonntag im Saal der Landesmusikakademie saß. Er konnte sich eines besonderen Leckerbissens stimmlicher und instrumentaler Interpretation klassischer Musik erfreuen.

Sonntag war der Tag des ersten Treffens und der musikalischen Einstimmung auf das viertägige Fortbildungsseminar »Musik aktiv« des Deutschen Tonkünstlerverbandes in der Landesmusikakademie NRW in Heek-Nienborg. Das Eröffnungskonzert wurde durch drei Dozenten der Tagung Falko Steinbach (Klavier), Birgit Breidenbach (Gesang Kontra-Alt) und Gerda Ziethen-Hantich (Klavier) zu einem großen Vergnügen.

Steinbach wird den Kurs Klavier leiten. Zur Zeit lehrt er an der Universität in Albuquerque in New Mexico/USA. Der Vollblut-Dozent, der in Nienborg schon öfter an Meisterkursen und in Konzerten mitwirkte, umrahmte mit der Sonate op. 31 Nr. 2 von Ludwig van Beethoven und sechs Etüden von Frédéric Chopin das Programm des zwanglos organisierten Eröffnungskonzertes als Solist.

Moderner Beethoven

Beethoven war seiner Zeit weit voraus. Nicht umsonst werden viele seiner Kompositionen noch heute in moderner, poppiger Interpretation gespielt. Steinbach demonstrierte mit seiner Feinfühligkeit einmal mehr, dass man Beethoven auch klassisch modern spielen kann. Der Pianist hörte in die Töne hinein, ließ jedem Ton am Ende seines Satzes das freie Hinausschwingen in den Raum. Er ließ der Expressivität der Vorlage ihren Freiraum, an dem Beethoven wahrscheinlich Gefallen gefunden hätte.

Ganz anders und dennoch ebenso frei interpretiert entzündete Steinbach mit den sechs Etüden (op. 10 Nr. 6 und 12, op. 25 Nr. 1, 2, 10 und 12) zum 200. Geburtstag von Chopin einen wahren Feuersturm der Klangvielfalt, den das Klavier überhaupt bieten konnte. Kurz und knapp waren die Stücke, die eigentlich als Übungsstücke geschrieben wurden, um sich selbst und das Instrument besser kennen zu lernen.

Konkurrenz für manchen männlichen Bass

Steinbach machte mit seiner Klang- und Spieltechnik wahre Meisterstücke daraus. Ein zweites Aha-Erlebnis erwartete die überschaubare Zahl an Besuchern im Konzertsaal des Musikzentrums mit der Gesangsstimme von Breidenbach. Mit ihrer überraschend tiefen und äußerst seltenen Kontra-Alt-Stimme hätte sie manchem männlichen Bass noch Konkurrenz machen können.

Dennoch konnte sie ihre Tonlage noch bis in den Mezzo-Sopran modulieren. Genau dieses oktavüberspringende Volumen ihren vollen, und sehr reifen Stimme passte sehr gut zu den romantischen acht Liedern von Richard Strauss, die von Dichtern betextet wurden.

Begeisterter Applaus

Breidenbach wird den Gesangskurs leiten. Ihre Begleiterin Ziethen-Hantich (Klavier) ist ebenfalls schon öfter in Nienborg aufgetreten oder als Dozentin aktiv geworden. Sie wird den Kurs Liedgestaltung leiten. Begeisterter Applaus belohnte die Dozenten.

Elvira Meisel-Kemper