»Begeisterungs- statt Schneesturm«


Westfälische Nachrichten Gronau, 11.01.2010

Heek-Nienborg - Der angekündigte Sturm mit Schnee blieb aus, dafür wehten Stürme der Begeisterung für die exzellenten Leistungen des Landesjugendorchesters Nordrhein-Westfalen (LJO) durch den vollbesetzten Konzertsaal der Landesmusikakademie NRW in Nienborg. Eigentlich sollte es nur eine öffentliche Generalprobe sein, bevor das Orchester nach einer dreitägigen Arbeitsphase auf Tournee geht. Sichtlich begeistert zeigte sich auch Dirigent Hubert Buchberger spätestens im Schlussapplaus, nachdem die rund 100 Nachwuchsmusiker sich in Bestform präsentiert hatten.

Ernst Leopold Schmid, Leiter der Landesmusikakademie, hatte das Konzert eingeleitet. Er freute sich nicht nur über die erneute Arbeitsphase des LJO in Nienborg nach längerer Pause, sondern auch über die Existenz des LJO seit nunmehr 40 Jahren. Handverlesen sind die Musiker, die im Alter von 14 bis 22 Jahren sind. Viele von ihnen sind Preisträger der Wettbewerbe „Jugend musiziert“. Buchberger leitet das Orchester seit 2002.

Béla Bartóks „Tanzsuite“ zu Beginn des Konzerts zeigte schon die besondere Klasse des Orchesters. 1923 komponierte Bartók das Orchesterwerk, das nicht einheitlich fließt und sich schon gar nicht aus Wiederholungen nährt. Dramatische Sentenzen wurden von instrumentalen Sololeistungen abgelöst. Glockenhell und beinah schneidend erklang die Querflöte, sekundiert von der Klarinette. Spannend war der Wechsel von den gedämpften Streichern zu den Blechbläsern, unter denen die Posaunen und die mächtige Tuba den Ton angaben.

Ganz anders dagegen Joseph Haydns Sinfonia concertante B-Dur. Buchberger konnte dafür vier Solisten gewinnen, die früher einmal im LJO mitspielten. Anne Schoenholtz (Violine) war die absolut dominante Größe. Wohl temperiert war auch hier der Dialog mit dem Orchester und den anderen Solisten Ulrich Witteler (Violoncello), Melanie Jung (Oboe) und Georg Klütsch (Fagott).

Ein wahrer Hörgenuss war die Sinfonie Nr. 4 op. 36 von Peter Tschaikowsky. Noch einmal steigerte sich das Orchester. Schon der Auftakt zum Andante sostenuto war von hohem Tempo und großer Intensität geprägt. Im Scherzo begeisterten besonders die Streicher, die den Bogen beiseitegelegt hatten und nur durch Zupfen der Saiten ihre Instrumente zum Klingen brachten. Dafür wurde das Finale buchstäblich mit Pauken, Trompeten und dem gesamtem Klangkörper des Orchesters eingeleitet. Zum Schluss badeten die jungen Musiker im wohlverdienten Applaus.

Elvira Meisel-Kemper