»Expressiv und gefühlvoll«


Westfälische Nachrichten Gronau, 08.01.2010

Heek-Nienborg - Ein intensiver Konzertreigen der Landesmusikakademie hat den Freunden klassischer Musik die Zeit seit Weihnachten versüßt. Über Ermüdungserscheinungen des Publikums können die Veranstalter wahrhaftig nicht klagen, denn auch beim dritten Konzert strömten zahlreiche Besucher in den Kammermusiksaal des Langen Hauses. In Anwesenheit der drei Meister des Kölner Klaviertrios Walter Schreiber (Violine), Günter Ludwig (Klavier) und Joanna Sachryn (Violoncello) gestalteten nach dreitägiger Meisterkursphase die 15 Teilnehmer das Abschlusskonzert des Meisterkursus.

Sachryn skizzierte das Lernangebot der Lehrer: „Uns war die Vermittlung des Umgangs mit dem Musiktext und das kammermusikalische Zuhören und Aufeinanderhören besonders wichtig.“ Bereits vorbereitete Werke rundeten die Teilnehmer im Kurs ab und machten sie als Ensembleleistung zum besonderen Klangerlebnis für die Besucher des Abschlusskonzerts.
Mit dem Klavierquintett Es-Dur op.44 von Robert Schumann begann das Konzert. Schreiber spielte die 1.Violine, Barbara Hopfenzitz die 2.Violine, Hartmut Buck die Viola, Wolfgang Gabler das Violoncello, und am Klavier saß Gudula Senftleben. Immer wieder neu interpretiert wurde das Kernmotiv des gespielten vierten Satzes, der von trotzig klingenden Violinen bis zu einem seidenweichen Klangbogen reichte.
Das Klaviertrio „Three Nocturnes“ des Amerikaners Ernest Bloch gehörte zu den ungewöhnlichen Hörerlebnissen. Dunkel drohend erklang die Violine von Susanne Oesterlee, sekundiert und umspielt vom Klavier mit Thomas Johannes Huith und dem Violoncello von Elisabeth Birckenstaedt.
Soohong Park aus Detmold war mit 17 Jahren der jüngste Teilnehmer, der einzige Solist und die absolute musikalische Überraschung des Konzerts. Souverän, absolut expressiv und gefühlvoll spielte er Ludwig van Beethovens Klaviersonate E-Dur op.109. „Lang Lang hätte es nicht besser machen können“, murmelte ein Besucher und verlor sich im minutenlangen Applaus wie alle im Saal.
Eine weitere Entdeckung waren Mounir Mahmalat am Violoncello und Philipp Quiring am Klavier. Beide Solisten präsentierten sich als gleichberechtigtes Duo mit der Sonate g-Moll op.65 von Frédéric Chopin. Mit Blicken kommunizierte Mahmalat sogar zwischendurch mit dem Publikum, spielte auswendig und dennoch sympathisch virtuos. Nicht umsonst entlud sich die Begeisterung des Publikums auch bei diesen beiden in einem tosenden Applaus.

Elvira Meisel-Kemper