»Hingebungsvoll interpretiert«
Westfälische Nachrichten Gronau, 04.01.2010
Heek-Nienborg - Das Kölner Klaviertrio mit Walter Schreiber (Violine), Joanna Sachryn (Violoncello) und Günter Ludwig (Klavier) begeisterte mit seinem Neujahrskonzert im Konzertsaal des Musikzentrums der Landesmusikakademie einmal mehr das Publikum. Gleichzeitig stellten sie sich den Teilnehmern des folgenden Meisterkurses als Musiker vor, die ihr Repertoire modern und höchst expressiv zum Leben erwecken.
In seiner Begrüßung freute sich Ludwig besonders auf die Gegenüberstellung von Ferdinand Hiller (1811-1885) und Robert Schumann (1810-1856). Hiller werde selten gespielt, obwohl er vor allem für das Kölner Musikleben mit der Gründung des Gürzenich-Orchesters Großes geleistet habe, so Ludwig.
Die virtuose Inszenierung dreier Musikerpersönlichkeiten verschmolz in Hillers Trio E-Dur op.74 zu einer klangschön und hingebungsvoll interpretierten Musik. Im Allegro vivace profilierte sich Ludwig am Klavier als der dezente Lenker der Streicher. Schreiber, der das Kölner Klaviertrio 1983 gegründet hatte, spielte mit dem ganzen Körper, hüpfte in besonders expressiven Phasen auch schon mal in die Höhe. Sachryn schien mit ihrem Instrument verwachsen zu sein. Hingebungsvoll lauschte sie den Kollegen, während sie in der nächsten Passage schon wieder ganz in sich versunken ihrem überbordenden Temperament freien Lauf ließ. Das Allegro scherzoso e molto vivace von Hiller schien wie für sie komponiert.
Schumanns Trio F-Dur op. 80 in vier Sätzen und Dimitrij Schostakowitschs Trio e-moll op. 67 als expressives, hoch anspruchsvolles Werk des 20. Jahrhunderts gehört zu den Lieblingswerken des Kölner Klaviertrios. Das Reißen einer Saite der Violine von Schreiber schuf Raum für die Ausbreitung des Hintergrundwissens der Komposition von Schostakowitsch. Der Komponist habe nach dem plötzlichen Tod seines Freundes Iwan Sollertinski seine ganze Trauer in Noten verpackt, überbrückte Sachryn das livehaftige Missgeschick. Die dünnhäutigen, pfeifenden Töne des Cellos zu Anfang des Andante waren der Ausdruck dieser Trauer, in die sich erst die Violine und dann das Klavier höchst empfindsam einmischten.
Das Publikum zeigte sich begeistert. Das Klaviertrio bedankte sich mit einem kleinen Stück des Schostakowitsch-Biographen Krzysztof Meyer, mit dem das Trio befreundet ist.
Elvira Meisel-Kemper