»Singen fürs neue Theater  - Hinreißendes Benefizkonzert von Bach- & Knabenchor«


Gütersloh. Es ist so was mit Benefizkonzerten. Wie oft verbirgt sich schlecht Gemachtes hinter gut Gemeintem. In diese Verlegenheit konnte das zweckdienliche Singen für das neue Theater von Bach- und Knabenchor die rund 250 Musikfreunde in der Aula des Städtischen Gymnasiums am Sonntag nicht bringen. Hier begegneten sich Anlass und Aufführung in bestmöglicher Weise. Vor allem aber präsentierte es den Bachchor mit einem Repertoire, das im Konzertbetrieb immer seltener zu hören ist, zumal in dieser gebotenen Qualität.

Ganz der Romantik hatte Kirchenmusikdirektor Sigmund Bothmann den ersten Teil des Sonntagnachmittags gewidmet, der allein vom Umfang her schon einem eigenen Konzert entsprochen hätte. Einem Jubilar dieses Jahres, Felix Mendelssohn-Bartholdy (200. Geburtstag), mit den Liedern für gemischten Chor op. 59 war die Eröffnung des Konzerts vorbehalten. Eine Sammlung, die nicht nur das berühmte, gleichsam zum Volkslied gewordene „O Täler weit, o Höhen“ enthält, sondern die Musik, die vom nächtlich raunenden „Die Nachtigall“ bis zum szenisch-dramatischen „Jaglied“ dem Chor alle Nuancen des Tons und der Dynamik abverlangt.

Doch Sigmund Bothmann hatte seinen Chor bestens vorbereitet, dass es weder am Ausdruck, noch an der rhythmischen Sicherheit und Textverständlichkeit mangelte. Hinreißend in Robert Schumanns „Der Schmied“ die Hammerbewegung mit leichten Schwellern im Dreiertakt verdeutlichte, das Echo „Im Walde“ andeutete, und in der „Romanze vom Gänsebuben“ auch nötigen Humor erkennen ließ.

Bettina Piecks schöner Alt bereicherte das herrliche „Ständchen“ für Männerchor von Franz Schubert. Und in von Christian Weiherer am Klavier tüchtig befeuertem „Tafellied“ von Johannes Brahms wurde überraschend klar, dass der kühle Klare aus dem Norden nicht nur im komplexen Tonsatz ein Meister war. Donnernder Beifall.

Der Auftritt des Knabenchors unter Ernst Leopold Schmid brachte alles zusammen: Das geistliche Lied im schwärmerischen Tonfall eines Giacchino Rossini, die dramatische Opernszene und den derb-frivolen Kanongesang. Während die zunächst 25 Knaben in lupenreinem italienisch von „Treue“, „Erbarmen“ und „Hoffnung“ sangen, ging es mit Mozart-Kanons ins Finale, und es war ein Vergnügen zu erleben, wie viel Spaß die nunmehr 38 Knaben an den mal im Wiener Dialekt, mal auf Pseudo-Latein verfassten, auswendig gesungenen und allesamt herrlich ordinären Texten hatten.

Zwischendurch durfte eine Auswahl von sechs Jungen in Mozarts „Zauberflöte“ in unterschiedlicher Besetzung die Szenen mit den Drei Knaben übernehmen. Und das gelang so souverän und klangschön, dass die exzellenten erwachsenen Solisten-Sopranistin Sabine Ritterbusch als Pamina und Bariton Christopher Jung als Papageno, sowie Ernst Leopold Schmid als versierter Pianist - ihre ganze Konzert- und Bühnenerfahrung aufbieten mussten, um nicht wie Waisenknaben dazustehen.

Solch pulsierendes Theaterblut möchte man gerne auch auf der Bühne erleben. Gut, dass wir bald ein neues Haus haben. Matthis Gans

 

 

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