»Meisterkurs Kammermusik«
So klingt der Sommer in der Landsmusikakademie
Münsterlandzeitung, 7.08.2009
Heek. Blauer Himmel, grünes Gras, roter Klinker, weißer Sandstein und über allem strahlt die Sonne: Der Sommertag in Nienborg sieht nach hüpfendem Reggae aus oder nach schwül-dösendem Chill-Sound. Die Musik, die aus dem geöffneten Fenster der Landesmusikakademie dringt ist aber viel dunkler, grüblerischer - erregender: Kammermusik. Linda Gao-Lenders (13) und Elena Schröder (20) spielen vierhändig. Die Ältere der beiden mehrfach auf Bundesebene ausgezeichneten Jugend-Musiziert-Preisträger will die Musik nicht zum Beruf machen, ihre Partnerin lässt sich die Entscheidung noch offen.Andreas Arndt lauscht - als einziger Zuhörer im Probensaal. Die vier jungen Musiker sitzen wenige Meter im Halbkreis vor ihm: Der Cellist kommt aus Tschechien, der Geiger schräg gegenüber aus Lettland, und die Bratschistin und die Geigerin ganz links aus NRW - ein internationales Quartett, das ein- und dieselbe Sprache spricht: die der Musik: Mozarts Streichquartett d-Moll.25 TeilnehmerDass die vier der insgesamt 25 Teilnehmer des Kammermusikkursus zudem auch noch deutsch sprechen, macht die Arbeit einfacher: «Nicht so hastig», spricht Arndt in den drängenden Spurt hinein, zu dem alle vier Instrumentalisten angesetzt haben. Die vier Studenten der Musikhochschulen Köln und Düsseldorf beginnen die Passage erneut - immer noch drängend, ohne sich aber zu überschlagen. Arndt lächelt stumm - und mischt sich einige Takte später doch wieder ein: «Das ist jetzt so ein komischer Moment in dem Stück, so als wenn alles stehen bliebe und dann» - er springt von seinem Hocker auf und macht eine ausladende Geste. Die Vier nicken, machen sich Notizen in den Noten, lächeln sich zu.Um mit dem Mann vor ihnen arbeiten zu können, hätten sie weitere Fahrten in Kauf genommen als nur vom Rheinland ins Münsterland. Andreas Arndt ist für sie nicht nur ein gefragter Lehrer, sondern auch ein Vorbild: der Cellist des seit 30 Jahren weltweit gefragten Auryn Quartetts.Vor einem Jahr hätten die Nachwuchsmusiker - allesamt Studenten oder Preisträger des Bundeswettbewerbs Jugend musiziert- auch noch weit fahren müssen: bis nach Italien. «Wir bieten in diesem Jahr erstmals in Verbindung mit der Europäischen Akademie für Musik und Darstellende Kunst Montepulciano Palazzo Ricci diesen Kammermusikkursus bei uns in Nienborg an.», so Akademiedirektor Leopold Schmid.Fünf Minuten Fußweg von dem von dem Quartett entfernt in einer Kammer des Hohen Hauses klingt wieder Kammermusik - dieses Mal vierhändig. Elena Schröder und Linda Gao-Lenders blicken von den Tasten der beiden Klaviere hoch, als sich die Tür öffnet. Eigentlich haben sie Gerade Freizeit - bis der Kurs bei den renommierten Pianisten Anthony Spiri und Dirk Mommertz beginnt. Pause bedeutet hier in der Akademie nicht Zeit zum Faulenzen, sondern zum Üben. «Deswegen sind wir hier», betont die 20-jährige Elena.Modische WechselDie Hälfte der Kursteilnehmer aus Großbritannien, Polen, Wien, Paris und ganz NRW sind junge Pianisten. «Für Pianisten boomt die Kammermusik zurzeit», weiß Leopold - wohl auch eine Folge des überaus großen Erfolges des Klavierduos Jaara Tal und Andreas Groethuysen, wie er meint.Streichquartette stünden dagegen zurzeit nicht so hoch in der Gunst des Publikums und der Musiker selbst - völlig zu unrecht, wie er betont. Und jeder, der einen Sommertag lauschend in Nienborg verbringt, wird zustimmen. Sylvia Lüttich-Gür