»Ausnahmekönner auf der Posaune«
Westfälische Nachrichten, 02.01.2009
Heek-Nienborg. Ein Hörgenuss der Extra-Klasse mit einer Welturaufführung, hochtalentierte Musiker, ein Ausnahmekönner auf der Bassposaune und ein exzellenter Dirigent – auf diesen kurzen Nenner lässt sich das Konzert der »JungenBläserPhilharmonie NRW« bringen. Bis auf den letzten Platz gefüllt war der Konzertsaal der Landesmusikakademie, als die 65 Orchestermitglieder unter Leitung von Pierre Kuijpers das Ergebnis ihrer viertägigen Probephase präsentierten. Mit Witz und Esprit führte Annegret Schwiening-Scherl, Geschäftsführerin des Landesverbandes der Musikschulen NRW, durch das Programm.
Mit Ausschnitten aus der Oper »Turandot« von Giacomo Puccini entführte das Orchester die Zuhörer in die märchenhaften Erzählungen aus »Tausend und einer Nacht«. Während des gesamten Konzertes bestach die Philharmonie auf sehr hohem Niveau als Gesamt-Klangkörper und durch glanzvolle Soloeinlagen. Bei »Celtic Flutes« vom bayerischen Komponisten Kurt Gäble loderte Feuer der keltischen Tradition im Saal auf. Eva-Maria Thommann und Ilona Wckenhut brillierten als Solisten auf ihrer Querflöte. Schwungvolle und bekannte Melodien brachte das Orchester bei dem Potpourri aus der Operette »Der Vogelhändler« mit »Schenkt man sich Rosen in Tirol« und »Ich bin die Christel von der Post« zu Gehör.
Ein Ausnahmekönner auf das Bassposaune ist der Niederländer Jos Jansen, das stellte er bei »Song for Ina« von Philipp Sparke deutlich unter Beweis.
Ein Konzerthöhepunkt war die Welturaufführung von »Danzón No. 2«. Das Stück komponierte Arturo Márquez für Sinfonieorchester. Oliver Nickel arrangierte es für Blasorchester, in dessen Fassung es erstmalig in Nienborg aufgeführt wurde.
In wärmere Gefilde Europas entführte das Orchester die begeisterten Zuhörer im zweiten Konzertteil. Nach »Tercio de Quites – Paso Doble« von Rafael Taléns folgte »Mar I Bel – Fantasia Española« von Ferrer Ferran, bei dem Christoph Türwitt auf der Trompete als Solist imponierte. Mit seinem virtuosen Spiel auf der Bassposaune und seinen feinem Gefühl für Humor und Theater inspirierte Jos Jansen das Publikum bei »Seasons vor Jos«, das auf den »Vier Jahreszeiten« von Antonio Vivaldi basiert. Koos Mark schrieb das Werk eigens für Jos Jansen, in einem Arrangement für Soloposaune und sinfonisches Blasorchester. Der Solist schlüpfte zu den einzelnen Jahreszeiten in passende Gewänder – ein klangvolles und schauspielerisches Erlebnis, das die Zuhörer wahrlich von den Sitzen riss.
Mit dem Stück »Pan y Toros« initiierte der spanische Komponist Francisco A. Barbieri die Renaissance der typischen spanischen Musikgattung. Flamencoklänge brachte das Orchester bei »Fandango« eindrucksvoll in den Saal. Die Zuhörer feierten die glänzend spielenden Musiker mit frenetischem Beifall und ließen diese erst nach zwei Zugaben, dem »Radetzky-Marsch« und dem »Castaldo-Nova-Marsch« von der Bühne. - Martin Mensing -