»In die Zuschauerherzen gespielt«
Westfälische Nachrichten, 15.12.2008
Abschlusskonzert des Meisterkurse Klavier mit Homero Francesch
Schöppingen/Heek-Nienborg. Dezent und bescheiden hielt sich der Leiter des Meisterkurses Klavier, Homero Francesch, im Hintergrund, während sich vier der Teilnehmer im Alten Rathaus in die Herzen der Zuhörer spielten. Es war das zweite Abschlusskonzert des Meisterkurses, den der Meisterpianist aus Uruguay unter der Woche in der Landesmusikakademie in Nienborg leitete. In anderer Besetzung und mit anderem Programm hatte das erste Abschlusskonzert im gut gefüllten Konzertsaal der Landesmusikakademie am Freitagabend stattgefunden. Das zweite Konzert fand weniger Interesse.Ernst Leopold Schmid, Leiter der Landesmusikakademie, begrüßte das Publikum zu dem Konzert, das vom aktuellen forum, Volkshochschule Ahaus veranstaltet wurde. Schmid und Francesch studierten zusammen am Konservatorium in München bei Ludwig Hoffmann. Mit der Gründung der Landesmusikakademie konnte Schmid seinen ehemaligen Lehrer Hoffmann als Leiter des Meisterkurses Klavier verpflichten. Nach dessen Tod 1999 holte er Francesch als Nachfolger in diese Funktion.Die Teilnehmer Raissa Zhunke, Luzi Meier, Konstantin Dyulgerov und Sebastian Tortosa hatten sich ganz unterschiedliche Kompositionen für das Abschlusskonzert ausgesucht, die ganz auf ihr jeweiliges Temperament abgestimmt waren. Raissa Zhunke begeisterte mit vier Impromptus von Franz Schubert. Im 17. Jahrhundert kamen die ersten Impromptus auf, die der Improvisation nahe stehen. Schubert machte daraus eine ganz neue Gattung, die der Lyrik seiner Musik entgegenkam und Neues zuließ. Wie sich das anhören könnte, war an der Körpersprache der jungen Musikerin ablesbar. Die ruhige Themenentfaltung, die man sonst von Schubert gewohnt ist, wurde immer wieder durch dramatische Entwicklungen unterbrochen. Dennoch führte immer wieder ein Weg zurück zum Grundmotiv, den Zhunke meisterhaft zum Ausdruck brachte.Luzi Meier hatte die kleine Suite »Children’s Corner« von Claude Debussy einstudiert, während Dyulgerov zwei Sätze aus Maurice Ravels »Gaspard de la Nuit« zu Gehör brachte. Während Debussys Werk klanggewaltig das Ohr der Zuhörer verwöhnt, irritiert Ravels eher sprödes Werk. Spielerische Leichtigkeit schien Tortosa aus dem Werk »Après une lecture du Dante« von Franz Liszt herauszuspielen. Seine Interpretation von Liszt rundete das Konzert ab. Wie seine Vorgänger badete er in begeistertem Applaus. ELVIRA MEISEL-KEMPER
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