»Konzert des Jugendjazzorchesters der Bundesrepublik Deutschland (BuJazzO) in der Landesmusikakademie«
Westfälische Nachrichten Gronau / Münsterland-Zeitung 21.08.2007
Heek-Nienborg. Drei Stunden Jazzmusik vom Feinsten und kein Mensch stand vorher auf, um zu gehen. Im Gegenteil. Das Publikum, das den Konzertsaal der Landesmusikakademie NRW in Nienborg am Sonntagabend bis auf den letzten Platz füllte, machte seiner Begeisterung immer wieder in jubelndem Applaus Luft.
Der Grund: 45 Nachwuchsmusiker aus dem gesamten Bundesgebiet boten unter der Leitung des Amerikaners Bill Dobbins eine fantastische Leistung. Das Konzert war die Krönung der 40. Arbeitsphase des Jugendjazzorchesters der Bundesrepublik Deutschland (BuJazzO), so der offizielle Titel, das seit seiner Gründung und seit einem Auftritt vor Bundeskanzler Helmut Kohl 1988 vom Bundesjugendministerium gefördert wird, verriet Projektleiter Dr. Peter Ortmann.
Dobbins löste Peter Herbolzheimetr ab, der das BuJazzO jahrelang leitete. Dafür reiste der Jazzpädagoge und Arrangeur extra aus den USA an. Ob seine Leitung ein einmaliges Debüt bleibt, steht noch in den Sternen. Für die Musiker spielte das keine Rolle.
Im Gegenteil. Frischer Wind wehte durch die Reihen der jungen Musiker, die allesamt Studenten der Musik sind. Bei jedem Stück, das Dobbins kurz erklärte, konnte er auch immer wieder Solisten aus dem Orchester ankündigen. Das Programm verzeichnete ihre Namen. Alle waren sie zwischen 1981 und 1986 geboren. Fast alle Stücke waren von Dobbins neu arrangiert worden. Und fast immer verband er, der über Jahre die WDR Big Band in Köln leitete, eine persönliche Geschichte damit.
Das Konzert begann mit "Swingin´the Blues" von Basie/Durham und endete mit "Bulgaria" von Peter Erskine. Es war eine bewegte Reise durch den Jazz des 20.Jahrhunderts, der manchmal äußerst modern interpretiert wurde.
Mit dabei waren auch zehn SängerInnen, die in zwei Gruppen eine zusätzliche Bereicherung des instrumentalen Programms darstellten. Seit 1995 gehöre die Sparte Gesang zum BuJazzO, klärte Ortmann das Publikum zwischendurch auf.
Titel wie "Blues in the night" oder der Klassiker "Over the Rainbow" ließen selbst Dobbins in Andacht verharren. Er dirigierte nicht mehr für kurze Momente, sondern legte stolz die Hände ineinander und freute sich über Momente der musikalischen Perfektion, welche der Lohn für alle Mühen war.
Nicht nur die traditionell starke Sektion der Bläser, unter denen nur zwei Frauen mitspielten, begeistere immer wieder, sondern die wechselnden Solisten am Schlagzeug, am Klavier und natürlich auch am Kontrabaß.
Nachwuchs, dem man noch stundenlang zuhören konnte, und Nachwuchs, der Hoffnung macht auf neuen Schwung in der Jazzszene. Bildergalerie
Elvira Meisel-Kemper