25 Jahre C-Lehrgänge

enden mit dem 29. C1/C2-Lehrgang in der Landesmusikakademie NRW

Crescendo, Ausgabe 7 – 8 / 2006

42 Teilnehmer/innen (TN) traten diesen C1/C2-Kombilehrgang im Februar 2005 an, das Durchschnittsalter lag bei rund 24 Jahren, 36 TN kamen aus Musikvereinen des Volksmusikerbundes NRW und verteilen sich auf 12 Kreisverbände. Nach Abschluss der 3. Phase schieden 4 TN mit dem Cl-Zertifikat aus.

Vor der Prüfungsphase im Dezember 2005 mussten 6 Seminarphasen absolviert werden, in denen es einen breiten Fächerkanon zu bewältigen galt. Musiktheorie, Gehörbildung, Instrumentenkunde, Musikgeschichte, Formenlehre, Literaturkunde und Verbandsarbeit standen genau so auf dem Plan wie Instrumentalunterricht, Didaktik und Methodik der Ensembleleitung und des Gruppen- und Einzelunterrichts oder Kammermusik.

Die Vermittlung des umfangreichen Lernstoffes in Wochenendform findet zu meist in sehr komprimierter An und Weise statt. Daher ist es in diesen Lehrgängen zwingend notwendig, dass die Teilnehmer/innen auch die Zeit zwischen den Seminarphasen in der Akademie als zum Lehrgang dazugehörig betrachten. Diese Rahmenbedingung hat absolute Priorität, was oft falsch eingeschätzt wird. So gibt es in Einzelfällen immer wieder Anfragen wegen wichtigen Proben oder Auftritten, an denen Lehrgangsteilnehmer/innen unbedingt teilnehmen müssen, was zur Folge hat, das es an einem Lehreangswochenende zu Fehlstunden oder gar zu ganzen Fehlragen kommt. Was hier versäumt wird, schadet einfach der Sache und somit der gesamten Entwicklung der betroffenen Lehrgangsteilnehmer/innen.

In der Zeitspanne zwischen den Seminarphasen müssen die verschiedenen Themenbereiche vertieft, die Aufgabenstellungen erarbeitet werden. Dazu gehört auch das regelmäßige Training auf dem Instrument, denn auch hier sind von Lehrgansphase zu Lehrgangs-phase immer wieder neue Aufgabenstellungen zu bewältigen. Hinzu kommt die Arbeit mit einem kleinen Ensemble zu Hause und das Vorbereiten, Durchführen und Reflektieren einer Unterrichtseinheit mit einem Schuler oder einer kleinen Schülergruppe. Diese Arbeit mündet schließlich in einer zu bewertenden schriftlichen Methodikhausarbeit. Nachdem nun mit der 6. Lehrgangsphase 3 Teilprüfungen absolviert waren, ging es am 09. und 10. Dezember 2005 mir den beiden letzten praktischen Prüfungsteilen in den Endspurt, dem sich noch 37 Teilnehmer/innen stellten. 32 glückliche Teilnehmer/innen absolvierten dann erfolgreich auch diese beiden letzten Prüfungsteile. Für 5 Teilnehmer/innen reichte es unter dem Strich nicht ganz, sie müssen eine Teilprüfung noch einmal nachholen. In der öffentlichen Abschlussveranstaltung im gefüllten Konzertsaal der Akademie präsentierten die Teilnehmer/innen ein eigens hierfür einstudiertes musikalisches Rahmenprogramm auf hohem Niveau und ernteten hierfür anhaltenden Beifall. Als dann die Zertifikate, Zeugnisse und Leistungsnadeln ausgehändigt wurden, konnte man die große Erleichterung und Freude über diesen bestanden Lehrgang deutlich spüren.

Auf diesem Wege möchte ich allen Absolventinnen und Absolventen noch einmal meinen Respekt und meine Anerkennung für das Durchhaltevermögen und die erbrachten Leistungen zum Ausdruck bringen und ihnen persönlich alles Gute und in der musikalischen Arbeit viel Erfolg und Freude an der Musik wünschen. Wir haben hier in NRW mit diesen Lehrgängen heute ein sehr hohes Niveau erreicht, auf das wir dank der Landesmusikakademie sehr stolz sein können.

Der Anfang in Willebadessen
Eine glückliche Konstellation sowohl in menschlicher aber auch in struktureller und politischer Hinsicht bracht Ende der 70er Jahre den Direktor der 1970 gegründeten Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen, Herrn Prof. Dr. Hans-Walter Berg und Herrn Günther Mertens zusammen, welcher als Militärmusiker das Blasorchester Havixbeck leitete und im Begriff war, ein Ausbildungskonzept für eine qualitativ gute und kontinuierliche Nachwuchsausbildung auszuarbeiten und umzusetzen. Aus diesen Kontakten heraus entstand eine Kooperation zwischen dem Volksmusikerbund – Landesverband Westfalen-Lippe, der Bundesakademie für musikalische Jugendarbeit, Trossingen und der Internationalen Bildungsstätte der Rheinisch-Westfälischen Auslandsgesellschaft in Willebadessen mit dem Direktor Günther Lob. Der Präsident des Landesverbandes Westfalen-Lippe, Josef Dekker und der ebenfalls im Volksmusikerbund sehr engagierte Helmut Bremer waren weitere wichtige Personen bei der Umsetzung dieser Ideen in die Praxis. Nach dem ersten Doppellehrgang für Dirigenten und Jugendausbilder, welcher noch mit aktiver Unterstützung des Direktors der Bundesakademie durchgeführt wurde, wird die Lehrgangsleitung Günther Mertens übergeben.

In der Zeit von 1980 bis 1990 fanden insgesamt zehn Lehrgänge für Ausbilder im Musikverein mit 196 Absolventen und 7 Lehrgänge für Blasorchescerdirigenten mit 129 Absolventen statt.

Die Landesrnusikakademie NRW 1989 wird in Heek-Nienborg, Kreis Borken, die Landesrnusikakademie NRW »Burg Nienborg« eröffnet. Die Förderung der Amateurmusik wird als eine der zentralen Aufgaben dieser Akademie definiert. Die Akademieleitung mit Herrn Direktor Ernst Leopold Schmid und dem Bildungsreferenten Frank Ebel initiierten nach einigen Vorgesprächen mit den Verbänden einen Gesprächskreis »Blasmusik in NRW«. Ziel dieses Forums war es, mit den Fachvertretern der Blas- und Spielleutemusik

· über die Koordination und Inhalte des Lehrgangswesens in ganz NRW zu diskutieren,

· Erfahrungen und Informationen untereinander auszutauschen,

· für die konstruktive Mitwirkung für eine spartenübergreifende Lehrgangs- und Prüfungsordnung zu werben und

· über gemeinsame Projekte nachzudenken.

Bildungsreferent Frank Ebel verstand es bei der Kontaktaufnahme mit den Verbänden sehr gut, sich mit dem notwendigen Respekt vor den bestehenden Strukturen und Vorstellungen der Verbände moderierend und beratend, fachlich kompetent und im Sinne der Vertrauensbildung überzeugend mit einzubringen. Die erste konstruktive Gesprächsrunde fand am 10.05.1991 in der Landesrnusikakademie NRW (LMA NRW) statt. Teilnehmer des Volksmusikerbundes (VMB) waren die Landesdirigenten der Landesverbände Rheinland und Westfalen-Lippe, Hans-Paul Breuer und Theo Aust, sowie die Lehrgangsdozenten des VMB Günther Menens und Renold Quade. Mit den im Landesverband Westfalen-Lippe 1993 neu gewählten Landesdirigenten Wolfgang Klauke und Bernd Nawrat (Stellvertreter) wurden die Kontakte und Gespräche fortgeführt. 1993 wird Bernd Nawrat, nach Günther Mertens, Lehrgangsleiter der C1/C2-Lehrgänge für den Blasmusik- und Spielleutebereich. Hier wird auch die Entscheidung getroffen, die C-Lehrgänge nicht separat für den Blasmusik- und Spielleutebereich, sondern gemeinsam durchzuführen. Nach Günther Mertens übernimmt Renold Quade die Lehrgangsleitung für die C3-Lehrgänge. Mit Werner Hoffmann für den Spielleutebereich und Bernd Mertens rücken weitere Dozenten und Lehrgangsleiter in dieses Team auf, welches im Laufe der Jahre ständig erweitert wird.

In den Jahren 1990, 1991 und 1992 führte der VMB noch 3 C1/C2-Lehrgänge und 1991 ein C3-Lehrgang in Willebadessen durch. 1993 startete dann der erste C1/C2- und C3-Kurs in der Landesrnusikakademie NRW, wobei hier noch ein ausgelagerter C1/C2-Kurs parallel in Willebadessen, aber unter der Federführung der Akademie durchgeführt wurde. Von hier an fanden, bis auf zwei ausgelagerte Lehrgänge, alle C-Maßnahmen in der LMA NRW statt. Die beiden von der Akademie ausgelagerten C1/C2-Lehrgänge wurden 1995/96 in Hardehausen (Ostwestfalen) und 1998 in Velbert-Langenberg durchgerührt. Erwähnenswert ist auch, dass erstmals mit C1/C2-Lehrgang 1994/95 und C3-Lehrgang 1995/96 Anmeldungen aus dem Spielleutebereich zu verzeichnen sind.

Spartenübergreifende Lehrgangsordnung
Zwischen 1991 und 1994 entwickelte sich dann in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Laienmusik des Landesmusikrates NRW e.V., dem Landesverband der Musikschulen in NRW e.V. und dem Verband Deutscher Schulmusiker in NRW e.V. eine Lehrgangsordnung, die in bundesweit einmaliger Form eine vergleichbare Ausbildung aller Lehr-gangsstufen aufC- und B-Ebene für Chorsänger und Chorleiter, Instrumentalitren und Dirigenten gewährleistet. 2003 sind die Musikhochschule Detmold (Bläser- und Chorlehrgänge) sowie die Musikhochschule Köln mit dem Standort Wuppertal (Akkordeon- und Zupferlehrgänge) als weitere Träger der B-Lehrgänge hinzugetreten. Diese C- und B-Lehrgänge wenden sich nicht nur an Laienmusiker/innen, sie dienen auch als Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen für Musikpädagogen an Schulen und Musikschulen. Die Trägerverbände verständigten sich darauf, dass diese Qualifizierungsmaßnahmen zukünftig landeszentral in der LMA NRW durchgerührt werden. Diese neuen Rahmenbedingungen führten dazu, dass die bisher in Willebadessen vom Verband durchgeführten Lehrgänge nach und nach in die Verantwortung der Akademie übergeben wurden.

Das Eingangsniveau D3
Der D-Bereich entwickelte sich hinsichtlich der dynamischen Umsetzung der Lehrgangs- und Prüfungsordnung des VMB NRW in den einzelnen Kreisverbänden zeitlich ganz unterschiedlich. Diesem Umstand wurde lange Jahre Rechnung getragen, zumal auch aus anderen Verbänden Teilnehmer/innen in die C-Lehrgänge strömten und es auch hier unterschiedliche Eingangsniveaus gab. Rund 10 Jahre bewertete man das Eingangsniveau mit der notwendigen Rücksicht und Fingerspitzengefühl für diese regionalen Leistungsunterschiede. In der Zwischenzeit sind, nicht zuletzt durch die hohen Absolventenzahlen der 19 C1/C2-Lehrgänge seit 1990 die Leistungsanforderungen im gesamten Verband weitgehend bekannt und akzeptiert. Entwicklungen in diesem Bereich dauern aber nun einmal viele Jahre. Die folgende Statistik soll dies anschaulich verdeutlichen.

Durchschnittliche prozentuale Zusammensetzung der Teilnehmer/innen in den Cl/C2-Lehrgängen nach D-Eingangsqualifikation:

a) 1993-1996 (5 Lehrgänge)
b) 1997-2000 (5 Lehrgänge)
c) 2001-2006 (7 Lehrgänge)

Grundlage für diese Zahlen ist die Auswertung der Fragebögen der angemeldeten Teilnehmer/innen mit Stand 1. Lehrgangsphase. Bei dieser Statistik kann man deutlich erkennen, dass die Zahl der Teilnehmer/innen mit D1-, D2- und keiner D-Qualifikation sich zunehmend verringert, dagegen aber die Anzahl der angemeldeten Teilnehmer/innen mit dem vorgeschriebenen D3-Eingangsniveau deutlich anwächst. Prozentualer Anteil der C1/C2-Absolvenren nach Spielleute- und Blasmusikbereich.

15 Lehrgänge von 1994/95 bis 2006.
Grundlage für diese Zahlen ist die Auswertung der Fragebögen der angemeldeten Teilnehmer/innen mit Stand 1. Lehrgangsphase. Teilnehmer aus dem Spielleutebereich sind erstmals ab C1/C2 Lehrgang 1994/95 dabei. Verbandszugehörigkeit in Prozent nach Anmeldestand der 15 C1/C2- Lehrgänge von 1994/95 bis 2006.

Die Absolventenzahlen der C-Lehrgänge
Von 1980 bis 2005 wurden insgesamt 29 C1/C2- Lehrgänge mit
· 132 C1-Absolventen und
· 683 C2-Absolventen und 14 C3-Lehrgänge mit
· 339 Absolventen durchgeführt.

Prozentualer Anteil der C3-Absolventen nach Spielleure- und Blasmusikbereich.
7 C3-Lehrgänge von 1991–2004
Der Spielleuteanteil ist deshalb verhältnismäßig niedrig, weil erstmals mit C3- Lehrgang 1995/96 Teilnehmer/innen aus diesem Bereich dabei sind. –Bernd Nawrat–