»Zerspringendes Liebesglück«
Kammeroper »Pimpinone« in der Landesmusikakademie aufgeführt
Münsterland-Zeitung Ahaus, 21.11.2006
Heek-Nienborg. So geht das mit den Frauen: Erst schleichen sie sich bei reichen, älteren Herren ein, und später zocken sie diese richtig ab. Gut zu beobachten in der Kammeroper »Pimpinone«, die Mitglieder der Musikhochschule Münster unter Leitung von Prof. Uta Spreckelsen auf die Bühne des Konzertsaals der Landesmusikakademie zauberten. Die Szenerie aus Georg Philipp Telemanns Oper in drei Akten streute Vergnügen und Schmunzeln in das allerdings nur kärglich erschienene Publikum. Zu Telemanns barocken Zeiten spielte sich so etwas wohl häufiger ab in höfischen Kreisen: Arme, liebes-enttäuschte Frau sucht Anstellung als Magd bei reichem, älteren und alleinstehenden Adligen. Heute trägt das Spiel andere Gewänder, während der Klatsch wohl damals der gleiche war.
Ausdrucksstark
Ausdrucksstark, schauspielerisch und stimmlich brillant interpretierten Heide Bertram (Sopran) als Vespetta und der Koreaner In Seok Han (Bariton) als Pimpinone dieses spätbarocke Liebesdrama. Vespetta als Magd in einfacherer Kleidung, später als Ehefrau in prächtigem Ballgewand, nutzt die Einsamkeit des alten und kranken Pimpinone schamlos aus. Erst dient sie sich als Magd an und erhält die Schlüssel für die Wirtschaft. Wenig später will sie schon wieder ausziehen und erpresst von Pimpinone den Schlüssel für den Geldschrank, das Vermächtnis von 10.000 Talern, wertvolle Ohrringe und sogar das Eheversprechen. Im dritten Akt führt sie ihn als seine Frau richtig an der Nase herum. Zersprang sein Herz vorher vor Liebesglück, so schmerzt es ihn jetzt im Liebesleid. Sie gemeßt die Bewunderung ihrer Schönheit, die schönen Kleider, den Tanz, die französische Sprache ohne ihn, während er im Hausmantel ohne Perücke selbst beim dünn gesäten Publikum keine Hilfe findet.
Musikalisch begleitet wurde das Spiel vom Kammerorchester »Solistenforum-Strings« der Musikhochschule, dirigiert von Werner Raabe und wundervoll solisüsch ergänzt durch die Cembalistin Nino Saakadze. Gerade das Cembalo brachte mit seinen metallischen Klängen das Flair des Barock in die gute Stube der Akademie.
Sensible Interpretation
Gewagt, aber äußerst passend war die Kombination mit dem Violinen-Solo von Johann Sebastian Bach, der Partita d-moll BWV 1004 als Ouvertüre und Zwischenaktmusik der Telemann-Oper. Helge Slaatto (Violine), ebenfalls Professor an der Musikhochschule, überzeugte durch virtuose und sensible Interpretation. Allen Akteuren galt der Applaus des Publikums für dieses abendliche Musikvergnügen. –emk–