»U 24 des Jazz spielt wie der Weltmeister«
BuJazzO-Ensemble probt in Akademie
Münsterland-Zeitung Ahaus, 06.07.2006
Heek-Nienborg. Erst Jazz, dann Fußball lautete die Devise am Dienstagabend vor dem ersten Halbfinalspiel der Fußball-WM im Konzertsaal der Landesmusikakademie. Ein Kraftakt bei großer Hitze für die 28 Instrumentalisten und acht Sänger, die damit die dritte von 38 Arbeitsphasen des »BuJazzO«-En-sembles in Nienborg abschlössen. Verlängerung und Elfmeterschießen ausgeschlossen, bemerkte Peter Herbolzheimer, der zusammen mit John Ruocco tagelang mit dem Ensemble zusammen gearbeitet hatte.
Dr. Peter Ortmann, Geschäftsführer des BuJazzO, hinter dem sich der lange Titel »Bundesjugendjazzorchester« verbirgt, hielt weiter an der Fußballsprache fest und verglich die jungen Musiker mit der »U 24 des Jazz«. Fast alle Musiker, die mit diesem Programm auf Tournee gehen werden, studieren Musik. Unter ihnen als einzige weibliche Instrumentalistin, Tove K. Langhof: Sie bestach durch sichere Intonation und gefühlvolles Spiel auf dem Saxophon. Aber auch ihre musikalischen Mitstreiter legten sich richtig ins Zeug und servierten den rund 40 Zuschauern, die trotz Fußballstress gekommen waren, anregende und entspannende 90 Minuten auf höchstem Niveau.
Der Leiter Herbolzheimer erwies sich einmal mehr als schwergewichtiges Showtalent, der die werbende Sprache für die Musik genauso beherrscht wie das ganz andere Genrefach des Comedian. Ruocco spielte mit und nahm als »Vater« greisenhafte Züge an. Beide leiteten die jungen Musiker mit sicherer Hand und kleinen Zeichen durch das anspruchsvolle Programm, das Stücke enthielt von Charlie Parker, Charles Mingus, Florian ross, Manfred Krug und Richard Rodgers bis hin zum Ray-Conniff-Medley. Viele davon hatte Herbolzheimer arrangiert.
Stimmungskanone
Dennoch geisterte Herbolzheimer über die Bühne, als hätte er sich verirrt. Die Hände in den Hosentaschen oder vor Vergnügen seinen fulminanten Bauch streichelnd lachte er hier, hörte dort an den Instrumenten, wuschelte in seinen Haaren, um einen Musiker in konzentrierter Warteposition zum Lachen zu bringen, oder dirigierte mal eben so zwischendurch.
Die Frucht harter Arbeit löste sich auf in der Leichtigkeit des musikalischen Seins, der alle Facetten des Jazz von Bossa Nova über Blues bis hin zur klassischen Schiene des Jazz á la Count Basie bediente. Die Riege der Sänger wechselte spielend von »Sweet Georgia Brown« ins deutschsprachige Metier mit »Hallo kleines Fräulein« ein.
Die »zweite Halbzeit« des Abends vor dem TV-Gerät war eine weniger große Freude ... –Elvira Meisel-Kemper–