»Ich will singen!«

Konzert: Big Band und Jazzchor beenden
die 2. Europäische Jazzakademie in Heek

Münstersche/Münsterland Zeitung, Kultur, 06.06.2006

Heek-Nienborg. Man stecke 70 fähige Musiker eine Woche lang zusammen und heraus kommt – Jazz vom feinsten. Die zweite Europäische Jazzakademie in der Landesmusikakadeime in Heek wurde mit einem Teilnehmerkonzert mit Jazzchor, Vokalquintett und Big Band beendet. Der voll besetzte Konzertsaal der Akademie geriet aus dem Häuschen. 14 Dozenten, unter ihnen das deutsche Jazz-Urgestein Peter Herbolzheimer als künstlerischem Leiter der Probenwoche und Leiter der Big Band, forderten sechs Tage lang alles von den Teilnehmern, die zwischen 18 und 70 Jahre alt waren und zum Großteil aus Deutschland kamen.

Zum Dozententeam gehorten europäische Jazzgrößen wie Bruno Castellucci (Schlagzeug), Silvia Droste (Gesang) und der legendäre Ack van Rooyen (Trompete). Matthias Becker konnte immerhin mit Jazzchor und Vokalquintett jeweils zwei Nummern für das Abschlusskon-zert einstudieren. »Wir haben Erbsen gezählt«, beschwerte sich Sängerin Ulrike Wahren spaßhaft. Aber das Ergebnis riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Solofähigkeiten
Die 15 Sängerinnen und drei Sänger (!) des Jazzchores waren zuvor von Silvia Droste und Judy Niemack auf ihre Solofähigkeiten getestet worden. Alle hatten das Zeug dazu, aber nur ein paar erhielten Gelegenheit, improvisatorisch drauflos zu scatten.

Die Big Band trat mit dem »weltgrößten Saxophon-Set« (Herbolzheimer) an. Gleich acht drängten sich in die erste Reihe und machten von Beginn an richtig Dampf. Bei »La Mer« (»ohne Gesang, aber mit französischem Text«) gelang der Sound gemeinsam mit den jeweils fünf Trompeten und Posaunen butterweich, bei »Blues in Latin« von Herbolzheimer selbst wären fünf Schlagzeuger und Perkussio-nisten eine unbezwinglichen Rhythmusgruppe. Und das alles nach nur fünf Tagen Unterricht. Ack van Rooyen glänzte mit einem Solo seines Bruders Jerry auf dem Flügelhorn, und Ulrike Wahren und Arlie Scott boten »Love for Sale« von Cole Porter zum Big Band-Sound.

Persönlichkeit
Herbolzheimer hat eine dominante Persönlichkeit. Er gibt den Anstoß für die Musik, greift nur an wenigen Stellen dirigentisch ein und kann ansonsten seinen Jungs und Mädels mit den Händen in der Jackentasche beim Musikmachen zusehen. Dafür waren seine launigen Moderationen für's Publikum unterhaltsam.

Die Teilnehmer hatten jedoch unter seinem robusten Charme weniger zu lachen. Als er ohne Ankündigung das Programm umwarf und der erste Sänger das Podium betreten wollte, flog ihm die Frage entgegen: »Was willst du?« Antwort: »Singen.« Herbolzheimer: »Das ist schön. Aber nicht jetzt.« Immerhin ließen es Big Band und Vokalquintett bei Dizzy Gillespies »Night in Tunesia« richtig abgehen.

Mit 70 Teilnehmern waren die Kapazitäten der Akademie nicht ausgeschöpft. 2008 ist die nächste Gelegenheit.
Also: Nichts wie hin. –Dirk Jaehner–

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