»Durch Leichtigkeit im Spiel gefesselt«

Klavierabend mit Homero Francesch in der Musikakademie

Westfälische Nachrichten Gronau, 28.04.2006

Heek-Nienborg. Ein Meisterkurs für hoch begabte Nachwuchspianisten unter der Leitung von Homero Francesch in der Landesmusikakademie NRW war am Mittwochabend der Anlass eines eindrucksvollen Konzertes. Der Meisterpianist aus Südamerika präsentierte sich seinen Schülern und dem interessierten Publikum mit der B-Dur Sonate, KV 570 von Wolfgang Amadeus Mozart.

Bereits mit den ersten Tönen fesselte er die Anwesenden durch seine Leichtigkeit im Spiel, der Durchsichtigkeit der Motivik und der Wärme seiner Interpretation. Auch der zweite Satz glänzte durch seine anmutige Phrasierung, der spannungsvoll in den dritten Satz überging. Hier trafen die nachträglichen Begrüßungsworte des Direktors der Landesmusikakademie, Ernst Leopold Schmid den Kern dieser Musik von Mozart: »Gebrauche nur so wenig Noten, wie gerade notwendig«.

Nach diesem eindrucksvollen Konzertbeginn überließ Homero Francesch die Bühne seinen Meisterschülern, da nach seiner eigenen Auffassung nichts in der Musikwelt so viel zählt wie Bühnenerfahrung.

Maki Wiederkehr stellte sich der schweren Aufgabe direkt hinter Ihrem Dozenten mit einer weiteren Sonate von Woifgang Amadeus Mozart, der Sonate, in B-Dur, KV 333 aufzuspielen. Sie überraschte klanglich durch eine kühl elegante Interpretation. Sehr leicht und durchsichtig spielte sie das erste Allegro. Im langsamen Satz waren ihre Phrasierungen nicht immer überzeugend aber sie steigerte sich im Allegretto graziöse zu einem sehr kraftvollem Finale dieser Sonate.

Nach der Pause stand zuerst mit der Musik von Johann Sebastian Bach eine andere musikalische Epoche mit einer anderen Tonsprache im Vordergrund. Yon Kyu Lee interpretierte die Toccata c-Moll, BWV 911 mit einer starken Lebendigkeit. Er verstand es sehr gut, die filigranen Passagen zu kraftvollen, energiegeladenen Höhepunkten aufzubauen und mit langen Spannungspausen wieder in die feinsinnige Thematik zurückzukehren.

Als letzter Programmpunkt dieses abendlichen Konzertes in der Landesmusikakademie NRW stand die Burleske d-Moll, AV 85 von Richard Strauss für Klavier und Orchester, interpretiert von Elina Kaikova auf dem Programm. Den Orchesterpart übernahm Maki Wiederkehr auf einem zweiten Flügel, sie meisterte die meist zu Unrecht unterschätzte Aufgabe der Begleitung sehr überzeugend. Elina Kaikova glänzte durch Ihre Virtuosität, wobei es Ihr aber auch immer gelang, den humoresken, burlesken Charakter des Stückes mitklingen zu lassen. Ein gelungenes Abschlussstück eines eindrucksvollen Klavierabends. –Melanie Lemm–